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Fabian in Kolumbien
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Abschied und Wiedersehen
So, da ist er nun, der versprochene Bericht über die letzten Tage im kolumbianischen Hochland und über die Heimkehr...Und es wird garantiert kein kurzer Bericht, denn jetzt nehm ich mir die Zeit und schreibe erst mal drauf los.
Ach ja und die angekündigte Überraschung vom letzten Eintrag – für alle die sie nicht gefunden haben: Guckt mal unter Colegio Alemán Cali; ich habs endlich geschafft Fotos von der Schule hochzuladen.
Zuerst mal zum letzten Schultag. Anna, die andere Austauschschülerin hatte ja zusammen mit mir den letzten Schultag. In der ersten Stunde mussten wir noch eine kleine Rede halten, wir haben uns sauviel Mühe gegeben, da was schönes zu schreiben und ich denke bzw. hoffe es ist uns auch gelungen. Wir hatten dann erst mal noch zwei Stunden Unterricht und dann haben wir eine kleine Klassenfeier gemacht. Wir haben zuerst „amigo secreto“ gespielt, das entspricht in etwa dem deutschen Wichteln. Danach gab es dann leckere Sandwiches und Gaseosas (ich mag dieses Wort so und es gibt keine richtige Übersetzung dafür...ist so ein Oberbegriff für Cola, Fanta,...) und dann haben wir halt noch Fotos gemacht, Klassenfotos und noch andere lustige Fotos. Während der ganzen „fiesta“ hat dann jeder noch nen netten kleinen Text auf Anna’s und meine Schuluniformen geschrieben. Die ist jetzt ein Heiligtum (also ich hab eine beschriebene zurück mit nach Deutschland genommen und eine normale). Ja und dann neigte sich mein letzter Schultag auch dem Ende zu. Eben noch von allen Lehrern verabschiedet und dann zurück in die Klasse. Auf einmal klingelte es und ich wusste: „Jetzt ist es vorbei.“ Es war echt nicht einfach, die Verabschiedung von allen. Auch im Schulbus nach Hause wusste jeder, dass das die letzte Busfahrt war und alle haben sich sooo lieb verabschiedet und so, es war echt traurig. Der letzte Schultag war so schön, dass es schrecklich war. Anna und ich haben nen Haufen toller Geschenke gekriegt und ich werde diesen Tag vermutlich nicht so schnell vergessen...Der restliche Tag ging dann mit Aufräumen, Packen und Verabschiedungen schnell rum...Und dann lag ich plötzlich schon im Bett und es war die letzte Nacht in „meinem“ Bett. Auch wenn man sich natürlich immer auf Zuhause freut, das Verlassen war doch hart. Nicht das Verlassen von Kolumbien war in dem Fall das Schwere, sondern das Verlassen von Cali. Der Rest von Kolumbien war ja für mich immer nur Urlaub gewesen, aber Cali war wie eine zweite Heimat. Ich habe diese Stadt echt lieben gelernt, die Menschen, das Klima, das Flair. Als wir dann am nächsten Morgen um 6 Uhr die Stadt verlassen haben, hat es wie aus Eimern gegossen...Wie im Hollywood-Film...
So und jetzt zu den schönen Dingen, ich hab ja schließlich noch ein paar Tage in Kolumbien vor mir gehabt. Wir sind mit dem Auto über die Anden gefahren Richtung Hochland. Die Autofahrt war wirklich...“spannend“...ich wäre fast gestorben...Landschaftlich war es natürlich unglaublich, dieses Land ist einfach der Hammer, so verschieden und so beeindruckend, das sogar ich mich völlig von der Landschaft zeige und so was hat mich ja früher nie interessiert...
Wir sind dann am späten Nachmittag in Villa de Leyver angekommen, das ist ein alter Kolonialort, zu Touristenzeit super voll aber als wir jetzt da waren, war er total verschlafen und hatte echt eine interessante Atmosphäre. So sieht es da aus:
Wir sind dann zwei Tage dort gewesen und haben uns auch das Umland ein bisschen angeguckt. Ein Ort in der Nähe von Villa de Leyver, er heißt Raquira, hat mir persönlich besser gefallen, der war so schön bunt. Da hab ich auch meine Hängematte gekauft, die jetzt schön in meinem Zimmer hängt. Allerdings werde ich da nur alleine reingehen, weil der Verkäufer zu mir meinte: „Diese Matte ist magisch, man geht zu zweit rein und kommt zu dritt wieder heraus.“ Und das ist mir wirklich noch zu früh...
Das ist Raquira:
Ich habe dort in dem Hochland noch so viele interessante Sachen gesehen (superschöne Kloster, alte Indiostätten und viele andere schöne Orte), dass das hier den Rahmen sprengen würden. Ich erzähl euch das aber gerne so mal und zeig euch Fotos, falls es wen interessiert.
Naja danach sind wir dann nach Bogotá gefahren und das war wirklich beeindruckend. Diese Stadt ist sooo riesig. Man vermutet, dass sie 8 Millionen Einwohner hat. Das komische ist, dass sie damit größer ist als Metropolen wie London oder Paris und trotzdem kennt sie keiner...
Auf dem Foto sieht man einen kleinen Teil der Stadt:
Auch sonst ist die Stadt wahnsinnig interessant und auch wieder ganz anders als Städte wie Cartagena oder vor allem Cali. Das ist das besondere an diesem Land, die Kontraste...
Superschön fand ich die Altstadt und auch den Plaza Bolívar, an dem das kolumbianische Parlament ist:
In Bogotá hab ich mit Gille einen Haufen toller Sachen gesehen, Jochen war leider krank und hat im Hotel im Bett gelegen. Aber Gille und Jochen haben ja auch schon eine Weile in Bogotá gelebt und deswegen konnte mir Gille echt so einiges zeigen. Wir sind sooo viel gelaufen, abends waren wir echt immer total kaputt...Am letzten Abend waren wir noch bei Freunden von Gille und Jochen eingeladen und an dem Abend hab ich festgestellt, dass ich ja doch ganz gut Spanisch gelernt hab, weil ich normalerweise bei Gesprächen wo sich ein Haufen Leute auf Spanisch unterhält und alle schnell und durcheinander sprechen, immer schnell resigniert habe. Aber an diesem Abend konnte ich dem Gespräch richtig gut folgen. Hat also doch was gebracht, aber ich hab ein bisschen Angst, dass ich wieder alles vergesse, weil ich die Sprache hier in Deutschland einfach kaum noch spreche, nur ab und zu in Mails an Freunde in Kolumbien mal schreibe...
Hmm jetzt wo ich hier so schreibe und mir nebenbei Fotos angucke, schwelge ich echt schon in Erinnerungen...als wäre es so lange her...
Naja am Abend des 18. Dezembers ging es dann aber endgültig zurück. Wir mussten schon sehr früh am Flughafen sein zum Einchecken und so und ich hatte ganze 9 Kilo Übergewicht im Koffer. Naja, ich denke es war es wert, was draufzuzahlen, schließlich hab ich ja auch genug tolle Sachen wieder mitgebracht!! Der Rückflug nach Europa war ja ganz okay, auch wenn ich nicht so wirklich viel geschlafen hab, weil ich im Flugzeug einfach nicht gut schlafe. Aber dafür hab ich jetzt auch endlich mal Forrest Gump ganz geguckt. Fast in Europa angekommen, kam es dann natürlich doch noch zu Komplikationen. Erst konnten wir wegen des starken Nebels oder so in Paris nicht landen. Als wir dann nach einer Stunde doch endlich herunter konnten standen wir erst mal ne halbe Stunde auf einer Nebenspur der Landebahn. Da wurden wir dann irgendwann mal von einem Bus abgeholt. Wir hatten also total Verspätung und ich bin wie bekloppt durch den Flughafen gerannt, um den Anschlussflug nach Düsseldorf zu kriegen. Angekommen, hat mir die Frau am Schalter gesagt, dass der Flug abgesagt wurde...Also noch ein paar Stunden mehr im Pariser Flughafen rumgesessen. Da kauft man sich doch aus lauter Langeweile sogar mal die Bildzeitung, wenn es keine andere deutsche Zeitung gibt
Irgendwann ging der nächste Flug dann doch, wenn auch wiederum mit Verspätung. Und abends um halb sechs bin ich dann endlich glücklich in Düsseldorf angekommen und wurde von der lieben Familie und den tollen Freunden begrüßt, auch wenn sie nicht mehr mit mir zu McDonalds wollten, da sie da ja wegen der Verspätung meines Fluges schon 4 Stunden verbracht haben...Es war auf jeden Fall eine superschöne Begrüßung und ein schönes Ankommen, ich hab euch Begrüßer alle ganz lieb!!
Tja und jetzt bin ich seit etwa 5 Wochen wieder hier, friere immer noch wie blöde, aber so langsam lebe ich mich wieder ein...
Es hat mir Spaß gemacht für euch hier zu schreiben, ich hoffe euch hat es Spaß gemacht zu lesen!!
Hasta luego, el Fabian.
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Letzte Grüsse aus Cali
Hallo meine Lieben,
ein letztes Mal direkt aus Kolumbien...Die Tage hier neigen sich ja so langsam aber sicher dem Ende zu. Ich bin jetzt noch 4 Tage in Cali und am Mittwoch morgen geht es dann früh los, damit ich bis Sonntag noch ein bisschen was vom Land sehen kann. Wir fahren erst in zwei kleine, aber wunderschöne Orte und anschließend gehts dann nach Bogotá, also in die Hauptstadt.
Ich hab in den letzten Tagen kaum noch Mails beantwortet, ihr werdet das bemerkt haben. Es tut mir leid, aber ich denke ihr versteht das. Ich wollte meine letzte Zeit in Cali etwas sinnvoller nutzen als am PC. Hab auch in letzter Zeit noch so einiges erlebt, was ich euch gerne erzählen würde, alles werde ich aber heute nicht mehr schreiben, weil ich noch eine Überraschung hab, die auch noch etwas Zeit beansprucht... Müsst ihr mal ein bisschen auf meiner Seite rumsuchen, dann wisst ihr was ich meine.
Erstmal ein bisschen was zum letzten Wochenende: Freitagabend war in der Schule Mercardo Navideño, Weihnachtsmarkt. Bei uns werden ja ganz gerne solche kleinen deuschen Sitten an der Schule aufgenommen, weil wir halt eine Deutsche Schule sind. Im Kindergarten und in der Primaria kam letzte Woche auch der Nikolaus (mein Deutschlehrer ). Der Weihnachtsmarkt...war ganz schön!! Komisch war, einige Leute mal ohne Schuluniform zu sehen, die ich vorher noch nicht ausserhalb der Schule gesehen hab. Man erkennt die Leute manchmal kaum, wenn sie nicht ihre Schuluniform haben, weil man total anders aussieht. Das trifft bei mir aber auch irgendwie zu.
Es gab auf dem Weihnachtsmarkt auch Glühwein ("vino caliente"), aber irgendwie schmeckt er bei 30ºC nicht so gut, wie bei 0ºC...War auf jeden Fall ein sehr lustiger Abend, hatte ziemlich Spaß mit den Leuten aus meiner Klasse (und nicht wegen dem Glühwein, für alle, die das jetzt gedacht haben).
Samstagmorgen musste ich dann schon wieder um halb 8 in der Schule sein, ich durfte mit der Naturwissenschafts-AG in einen Naturpark etwa 1 1/2 Stunden von Cali entfernt fahren. Das war halt richtiger Urwald da und wir sind da stundenlang durchgewandert. Ich hasse es ja normalerweise zu wandern, aber diese Wanderung war wirklich superschön, es war halt echt noch völlig unberührte Natur, völliger Urwald. Herrlich. Fotos davon kann ich heute leider nicht online stellen...
Was ich euch noch unbedingt erzählen und auch mit nem Beweisfoto zeigen wollte, ist die Weihnachtsdekoration in Kolumbien. Ich glaube, selbst die USA sind gegen DAS hier fast schlicht (also was ich so aus dem Fernsehen kenne). Die ganze Stadt blinkt in verschiedenen Rhythmen und Farben. Sie blinkt wirklich, ich glaube es gibt hier keine Lichterketten, wo die Lichter nicht in irgendwelchen Reihenfolgen an- und ausgehen. Am schlimmsten ist es im Viertel El Higenio, da wohnen die ganzen Neureichen, die immer versuchen noch eine Spur mehr Geblinke und Gedönse am Haus zu haben, als ihre Nachbarn. Ich war gestern da und das ist mal eins der Häuser (in echt blinken die Lichterketten natürlich noch):
Was ich am allerhässlichsten fand, hab ich gestern bei einer Klassenkameradin gesehen. Man hat ja hier immer Plastiktannenbäume (wenn das mit meinem Journalist werden nichts wird, dann mach eine Tannenbaumplantage in Kolumbien, scheint eine Marktlücke zu sein) und das ist auch noch so gerade okay, weil es manche gibt, die nicht ganz so schrecklich sind. Wenn der Tannenbaum dann aber extrem hässlich dekoriert ist, die Lichterketten - wie schon erwähnt - dauernd blinken, der Tannenbaumständer so eingestellt ist, dass der Tannenbaum sich elektrisch dreht und dazu dann noch ein Weihnachtsmann daneben steht, der schreckliche Weihnachtsmusik dudelt, dann ist es schon echt nicht mehr einfach, den Leuten zu sagen, wie schön man doch ihren Tannenbaum findet. Mir ist gestern in dem Zusammenhang aufgefallen, wie gut ich lügen kann
So ud jetzt hab ich noch ein weiteres Foto für euch, es ist nicht sehr schön, aber da ich jetzt schon so oft gefragt wurde...Das ist Lina (der Junge daneben bin übrigens ich )
Ich werde übrigens zu Hause noch mal einen Bericht machen über die Reise durchs Land und über Bogotá. Also - auch wenn ich wieder in Deutschland bin, könnt ihr gerne nochmal vorbeischauen.
Meine Zeit in Kolumbien neigt sich also jetzt dem Ende zu. Ich denke ich kann sagen, es war eine der besten Zeiten in meinem bisherigen Leben. Wenn man vier Monate in einem Land mit einer völlig anderen Kultur, Natur und mit völlig anderen Menschen seine Zeit verbringt, dann verändert einen das und ich werde die Zeit wohl nie vergessen. Es war mein Traum, für eine Zeit im Ausland zu leben und die besten Eltern der Welt haben mir das auch ermöglicht. Auch wenn ja viele Leute skeptisch waren ("Kolumbien? Das ist doch total gefährlich!" "Was, du willst in dieses Drogenland?") hab ichs trotzdem gemacht und es nicht bereut. Ich weiß jetzt, dass dieses Land wirklich eine ganze Menge zu bieten hat und es ist echt schade, dass in Deutschland immer nur die schlechten Seiten von Kolumbien gesagt werden. Natürlich sind die auch vorhanden, das will ich überhaupt nicht abstreiten, die Armut zum Beispiel hab ich ja auch selber oft genug gesehen, aber trotzdem sollte man vielleicht nicht immer so vorschnell Urteile über Länder abgeben, über die man nicht viel weiß. Naja, ihr alle wisst ja jetzt, dass Kolumbien anders ist, als ihr vorher immer gedacht habt.
Ich freue mich total auf zu Hause, Weihnachten ohne die Familie wäre für mich schrecklich. Aber trotzdem bin ich auch total traurig, dass es jetzt vorbei ist. Die Zeit ist ja quasi verflogen. Ich werde Cali vermissen, ich werde vorallem die Leute vermissen. Wer weiß, wieviele von denen ich nochmal wiedersehe? Es war echt von eine Menge von Eindrücken und Erfahrungen, die ich hier gemacht hab...Als ich herkam, hab ich kaum mehr als 3 Wörter Spanisch gesprochen. Ich spreche es jetzt zwar garantiert nicht flüssig, aber ich kann mich mit den Leuten gut unterhalten, insofern hat es also schon mal was gebracht, in der Hinsicht, dass ich Spanisch gelernt hab. Und sonst. Der Stierkampf, das Juanes-Konzert, das karibische Meer, lateinamerikanische Partys mit unglaublich toller Musik, Menschen mit einer anderen Lebensmentalität, Menschen die das Leben einfach genießen und die auch zu anderen Leuten immer freundlich sind. Ich hoffe ich bringe ein bisschen was davon mit nach Deutschland.
Und das war es jetzt auch für heute. Ich hoffe die Berichte haben wenigstens einigen ein bisschen gefallen und waren interessant, ich fänds superkuhl, wenn ihr mir das einfach mal ins Gästebuch schreibt, auch die Leute, die da sonst nicht reingeschrieben haben, einfach damit ich mal weiß, wer so mitgelesen hat und wie es euch gefallen hat. Und ob sich die ganze Arbeit einmal in der Woche gelohnt hat...
Colombia es una chimba y voy a extrañar todo...Pero me alegro de ustedes!!
Nos vemos el 19...q' esten bien!!
Fabian
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Die zwei Seiten
Hallo ihr Alle in der Kälte Europas (Hanna, wie siehts bei dir in Madrid aus?), ich schaffe es jetzt endlich euch einen Bericht zu machen und ich habs irgendwie im Urin, dass das ganze ein längerer Bericht wird, mit zwei Erlebnissen, von denen ich euch halt erzählen will.
Cartagena...Karibik...und das war mein 1. Advent: Ich hatte für Donnerstag und Freitag frei gekriegt und am Donnerstag morgen ging es dann schon ganz früh los, um fünf mussten wir am Flughafen sein. Über Bogatá (mit Umsteigen) sind wir dann nach Cartagena geflogen. Als wir um 9 Uhr dann in Cartagena ankamen, stand noch die ganze Stadt unter Wasser, da es am Tag zuvor einen ziemlich starken Sturm gegeben hat und ich hab euch ja schon mal erzählt, was hier für Wassermassen runterkommen, wenn es regnet. Wir hatten schon Angst, dass das Wetter uns den Kurzurlaub etwas versaut. Den ersten Tag haben wir dann auch gleich genutzt, haben uns die Altstadt angeguckt, leckere Sachen gegessen und Gille und ich sind ordentlich einkaufen gegangen, es gibt ja diese ganzen kolumbianischen handgemachten Sachen, super schön und ich hab meine Weihnachtsgeschenke schon fast zusammen (so früh hab ich das noch nie gehabt und es wird vermutlich auch das einzige mal bleiben ) Nach dem wir dann den ganzen Tag durch die Altstadt gelaufen sind und das bei praller Sonne und weit über 30ºC (sogar die Caleños haben mir gesagt, Cartagena wäre sehr heiss und Cali ist ja auch nicht grade kalt... ) war ich abends so fertig, dass ich um halb 9 im Bett lag und tief und fest geschlafen hab. Man muss aber auch dazu sagen, dass wir nicht gemütlich durch die Stadt spaziert sind, sondern dass Gille und ich hinter Jochen hergehechelt sind, weil der quasi rennt. Am zweiten Tag sind wir dann schon wieder ganz früh raus, man kann sein Programm hier ja nur am Morgen und dann erst wieder nachmittags machen: “In der Mittagssonne sind nur Weisse und Esel draussen!” Man macht halt Siesta (aber das ist auch in Cali normal, ich kann das allerdings nur am Wochenende, in der Woche hab ich ja Schule) weil man es nur drin aushält und sich am besten ausruht. Am Freitag haben wir dann also Kulturprogramm gemacht. Cartagena ist die erste richtig grosse Stadt, die in Lateinamerika gegründet wurde und in der die Spanier (Kolumbien war ja eine spanische Kolonie) ihr Gold versteckt haben. Deswegen ist die Stadt auch sehr gut abgesichtert, mit einer riesigen Burg (ich musste grade lange überlegen, wie man auf Deutsch sagt ), dicken Stadtmauern und ausserdem liegt es in einer grossen Bucht, die auch nocheinmal so abgesichert war, dass die Piraten es nicht einfach hatten, da reinzukommen. Wir haben uns also die Burg - das Castillo San Felipe – angeguckt, ausserdem ein Museum zur Geschichte von Cartagena, das Kloster vom Heiligen Pedro Claver, der im 19. Jahrhundert hier war und sich unglaublich um die Afroamerikaner gekümmert hat, die halt zuvor aus Afrika hergeschleppt worden waren, als Sklaven. Am Nachmittag waren wir dann das erste Mal so richtig am Strand, im karibischen Meer schwimmen!! In Cartagena selbst sind die Strände allerdings nicht soo schön. Samstagmorgen ging es dann wieder früh los und dann auch an einen richtigen Karibikstrand. Wir mussten da mit einem Motorboot etwa eineinhalb Stunden hinfahren und ich war mir bei dem Motorboot nicht sicher, ob wir ankommen. Sind wir allerdings und es war der Hammer!! So ein richtiger Karibikstrand, wie man sich das vorstellt. Weisser Sand, türkisblaues Meer, Palmen. Wir haben den Tag auf jeden Fall sehr genossen...Gille und ich haben einen langen Strandspaziergang gemacht und einen Haufen Muscheln gesammelt. Wir dachten uns dann nur so: “Uns gehts doch wirklich nicht schlecht. Während die bucklige Verwandtschaft sich in Deutschland mit dem Schneechaos rumärgert, liegen wir am Strand mitten am karibischen Meer.” Nachmittags gings dann wieder zurück inklusive einem netten Sonnenbrand auf der Nase. Ich sah aus wie Rudolf das kleine Rentier. Am Sonntagmorgen sind wir dann bei uns in der Nähe vom Apartment noch einmal ein bisschen an den Strand gegangen und ich hab noch ein letztes Mal das Meer genossen. Nachmittags gings dann wieder über Bogotá zurück und weil wir dort so viel Aufenthaltszeit hatten, bis der Flug nach Cali weiterging sind wir mitten in der Nacht total erschöpft zu Hause angekommen. Es war ein wirklich superschönes Wochenende und wann komm ich nochmal so schnell in die Karibik?!
So und hier jetzt ein paar unkommentierte Impressionen:





So und jetzt zu der anderen Seite von Kolumbien, die weniger schöne Seite. Frau Bürkle, die Rektorin vom Colegio Alemán hatte uns deutschen Austauschschülern und den Praktikanntinen ermöglicht heute für einen Tag mal die andere Seite von Cali zu sehen. Aguablanca, das ärmste Viertel der Stadt. Wir haben dort einen Tag in der Schule verbracht. Ich weiss auch gar nicht so richtig, was ich dazu jetzt schreiben soll, es ist schwer auszudrücken, was ich darüber denke. Es war auf jeden Fall tief beeindruckend und bewegend. Die Leute dort sind so unglaublich fröhlich und freundlich und das obwohl sie wirklich kein einfaches Leben haben. Aber sie sind damit zufrieden, dass sie meistens was zu Essen haben und ein Dach über dem Kopf. Und die Kinder freuen sich wirklich, dass sie die Möglichkeit haben, in die Schule zu gehen. In Deutschland und auch hier auf den teuren Privatschulen (meine Schule ist ja so eine) heißt es immer: “Ich muss in die Schule.” Für die Kinder in Aguablanca heißt es: “Ich darf in die Schule.” Und so was regt doch zum Nachdenken an...Warum jammern wir so viel? Anderen Leuten geht es so schlecht und die machen trotzdem das Beste raus, sind zufrieden und froh, dass sie leben. Und davon könnten wir uns alle mal gewaltig eine Scheibe abschneiden. Und das war so beeindruckend für mich. Die Schüler und Lehrer in der Schule waren unglaublich gastfreundlich, ein paar Schüler haben uns die ganze Schule gezeigt, die Kinderkrippe für die ganz Kleinen und den Kindergarten. Alle – und damit meine ich wirklich alle - haben uns überschwänglich begrüsst, einen Haufen Fragen gestellt und wollten, dass wir uns mit ihnen zusammen fotografieren. Am Anfang haben wir uns ein bisschen mit dem Musiklehrer unterhalten und er hat uns die ganzen typischen Rhytmusinstrumente erklärt und dann meinte er: “Vielleicht kann ich das ja organisieren, dass wir gleich mal ein bisschen was für euch spielen.” Und dann ganz zum Schluss hat er uns in seinen Musikraum rufen lassen und da stand der ganze Chor, 2 “Trommler” und der Musiklehrer mit Gitarre. Alle hatten extra wegen uns keinen Unterricht und sie haben uns dann 3 kolumbianische Lieder vorgespielt und vorgesungen. Das war unglaublich bewegend, diese Freundlichkeit, die einem entgegengebracht wurde. Ich kann das ganze auch einfach nicht beschreiben und ich glaub auch Fotos würden das nicht zeigen. Ich stelle aber trotzdem mal zwei Fotos online, damit ihr wenigstens einen klitzekleinen Eindruck habt. Mehr kann ich zu Aguablanca auch jetzt irgendwie noch nicht schreiben, ich muss da selbst noch ein bisschen drüber nachdenken, was ich da heute gesehen und erlebt hab.


Das war es für heute, wenn ihr es interessant fandet – schreibt ins Gästebuch!! In etwa 2 Wochen bin ich dann ja auch schon wieder zu Hause... Machts gut und geniesst die Weihnachtszeit.
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Darf ich berichten?
Ist es gemein, wenn ich euch von meinem Kurzurlaub in der Karibik erzähle, während ihr in Deutschland mit dem Schneechaos zu kämpfen habt?
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Vorstellungsgespräch ;)
Das wird ein kurzer Eintrag, weil ich noch für Cartagena packen muss, aber ich wollte euch ja noch von dem Essen mit Linas Familie erzählen, also mach ich das jetzt auch noch.
Letzten Freitag hat Lina mich halt eingeladen mit ihr und ihrer Familie essen zu gehen, weil die mich gerne mal kennenlernen wollten. Lene hats ganz richtig beschrieben, es hörte sich an wie ein Schwiegersohnvorstellungsessen, also ganz offiziell. Dementsprechend war ich dann auch irgendwie ein bisschen aufgeregt. Und das war total unsinnig. Samstagabend haben sie mich dann halt abgeholt und wir sind in eine nette Pizzaria bei mir um die Ecke gegangen (endlich wieder Pizza, das war das erste Mal Pizza essen in 3 Monaten!!). Und es war super schön und total locker. Wir waren mit Lina’s Mutter, ihrem kleinen Bruder, dem Freund der Mutter und dessen kleiner Tochter los und die waren alle superlieb. Ich hab mich sehr gut mit denen unterhalten, musste dann natürlich ganz genau über unsere Familie erzählen (hatte vorher extra im Wörterbuch nachgeguckt, was Papa und Patrick arbeiten und das haben sie tatsächlich gefragt) und über Lichtenau, über meine Schule und über das Wetter in Deutschland. Und dann hab ich mich mit dem Freund von Linas Mutter so gar noch über unsere neue Kanzlerin unterhalten. Wir waren da gott sei Dank der selben Meinung, auf Politik diskutieren klappt auf Spanisch bestimmt noch nicht
Ach und so ganz nebenbei: Die Pizza war auch sehr lecker...
Alle die ihre Mails noch nicht beantwortet gekriegt haben: Ihr müsst euch ein bisschen gedulden, aber ich werde mich am Montag an die Arbeit machen, ich hab euch nicht vergessen.
Machts gut ihr Lieben, ein schönes Wochenende an alle!!
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